12 | 2020: Ein außergewöhnliches Jahr geht zuende

Journal Dezember 2020 | Prosa & Papier

Der Moment, den viele dieses Jahr nicht abwarten konnten, ist endlich da: Das Jahr 2020 ist vorbei. Das Jahr der Pandemie. Das Jahr der Herausforderungen. Das Jahr des Homeoffice. Das Jahr der Digitalisierung. Das Jahr der Hoffnung. Und das Jahr des Zusammenhalts. Ich geb es zu, ich gehöre auch zu denjenigen, die nicht unglücklich darüber sind, dass das Jahr endet. Als introvert habe ich zwar wenig Probleme damit, viel Zeit mit mir und viel Zeit zuhause zu verbringen, aber trotzdem fehlen mir die Bars, die Konzerte, die Restaurants und das Zusammensein mit Freunden und Familie. Dafür hatte ich mehr Zeit mit meinen Büchern und habe dieses Jahr 50 Bücher gelesen und gehört, während es im letzten Jahr keine 10 waren.

📚 Bücher 📚

Mein Lesemonat Dezember war schon wieder ein buntes Durcheinander an gut geschriebenen Büchern. Schnell gelesen war Serpentine (2020) von Philip Pullman, eine 80-seitige Novelle, die in der Welt von His Dark Materials spielt. Lyra und Pantalaimon kehren nach Trollesund zurück, um bei Dr. Lanselius Antworten zu finden. Für das Buch war ursprünglich keine Veröffentlichung angedacht, sondern ist im Jahr 2004 auf Anfrage von Nicholas Hytner zur Versteigerung bei einer wohltätigen Veranstaltung geschrieben worden.

Parallel dazu habe ich zwei Hörbücher beendet: Sterben im Sommer (2020) und Der Sommer ohne Männer (2011). Zsuzsa Bánks Buch ist ein biografisch geprägtes. Es erzählt die Geschichte der Familie Bánk, vom letzten Sommer des Vaters am Balaton, bevor bei ihm Krebs festgestellt wird und seine letzten Tage bevorstehen. Es erzählt von der Vergangenheit der Familie und was der Schmerz des Abschieds mit einer Familie macht. Das Buch ist sehr gefühlvoll, sehr emotional und meiner Meinung nach ist der Schmerz durch die Zeilen hindurch gut spürbar.

In Der Sommer ohne Männer geht es um Mia, eine Dichterin in New York, deren Mann Boris plötzlich eine Pause von der Ehe möchte. Diese Pause, stellt Mia fest, hat einen Namen, volle Brüste, einen Job als Boris’ Laborassistentin und ist um einiges jünger als Mia. Nach der vorläufigen Trennung und einer daraus resultierenden klinischen Depression verbringt Mia den Sommer in der Nähe ihrer Mutter in Minnesota, einen Sommer ohne Männer. Sie unterrichtet dort eine Gruppe junger Mädchen in Lyrik, verbringt Zeit mit ihrer Mutter und deren Freundinnen und schreibt ihre Gedanken auf – zu Boris, zu ihrer Ehe, zu ihrer sexuellen Vergangenheit. Und sie lernt sich selbst neu kennen.

Diesen Monat habe ich auch ein weiteres Buch beendet, das ich vor langer Zeit angefangen und lange nicht wieder in die Hand genommen hatte: Too Much and Not the Mood (2017) von Durga Chew-Bose. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Essays, in denen sie von Identität und Kultur schreibt, über Freundschaften, über das Schreiben selbst, darüber, was es für sie bedeutet, mit zwei Kulturen aufzuwachsen.

Und noch ein Buch, für das ich sehr lange gebraucht habe: Tender is the Night (1934) von F. Scott Fitzgerald. Dieser Klassiker ist, wie so einige Bücher der Fitzgeralds, autobiografisch geprägt, und erzählt die Geschichte der Eheleute Diver und Rosemary Hoyt. Als die junge Schauspielerin Rosemary den Sommer mit ihrer Mutter an der Riviera verbringt, verliebt sie sich in Richard „Dick“ Diver und freundet sich mit seiner Frau Nicole an. Während Dick noch unschlüssig ist, ob er eine Affäre mit Rosemary beginnen möchte, erfahren wir von der Hintergrundgeschichte der Divers: Nach seiner Arztausbildung lernt Dick die 16-jährige Nicole Warren bei einem Besuch in einem Schweizer Sanatorium kennen. Dort wird bei ihr eine Schizophrenie festgestellt, die, so suggeriert das Buch, die Folge des sexuellen Missbrauchs durch ihren Vater ist. Als die Divers Rosemary mit nach Paris nehmen, wird die Beziehung zwischen ihnen zunehmend komplizierter, nicht zuletzt durch den Mord an Jules Peterson, der tot auf Rosemarys Hotelbett gefunden wird – ein Vorfall, der ihre Schauspielerkarriere beenden könnte.

Das letzte Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe, ist gleichzeitig mein absolutes Lese-Highlight des Jahres: Offene See (2019) von Benjamin Myers, übersetzt von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel. Robert Appleyard kommt aus einer Bergarbeiterfamilie und ist sich sicher, auch er wird Bergmann werden. Doch bevor es für ihn unter Tage geht, möchte er einmal seine Freiheit genießen. Nach dem Schulabschluss im Frühling 1946 zieht der 16-Jährige durch England, auf der Suche nach Freiheit und sich selbst. Als er auf seinem Weg auf Dulcie Piper trifft, verändert das sein ganzes Leben.

Offene See ist das Lieblingsbuch der Unabhängigen und ich kann gut verstehen, warum: Das Buch nimmt uns mit über grüne Landschaften an die Küste Englands und in ein kleines Cottage, wo wir Dulcie, Robert und Romy kennenlernen. Zwar ist die Sprache etwas blumiger als ich es normalerweise mag, für mich hat es der tollen Erzählung jedoch nichts genommen. Ganz im Gegenteil – möglicherweise sind sogar ein paar Tränchen geflossen. Sehr gut könnte ich mir eine Verfilmung des Buchs vorstellen.

📺 Serien 📺

Der Dezember hat für mich immer etwas Magisches. Auch beim Einkuscheln auf der Couch mit einem heißen Kakao darf etwas Magie nicht fehlen – und so kam The Bureau of Magical Things auf meine Watchlist. Worum geht’s? Kyra ist ein ganz normaler Teenager in Australien, spielt im Basketball-Team ihrer Schule, geht gern joggen, spielt gern Gitarre, verdient sich nebenbei etwas Geld damit, mit den Hunden der Nachbarn Gassi zu gehen und verbringt ihre restliche Freizeit mit ihrem Vater oder ihren besten Freunden Peter und Mathilda. Nachdem sie eines Abends beim Joggen ein in der Luft fliegendes Buch berührt, wacht sie am nächsten Tag mit magischen Fähigkeiten auf. Durch die Berührung ist sie zum „Dreiling“ geworden, zu gleichen Teilen Mensch, Elfe und Fee.

Neben ihrem normalen Alltag besucht Kyra fortan zusätzlich eine magische Schule im Ort, wo sie lernt, ihre Fähigkeiten zu kontrollieren. Und sie erfährt, wie die magische Welt es schafft, nicht von Menschen entdeckt zu werden. Ein künstlerisches Meisterwerk ist die Serie nicht unbedingt, aber wer seichte Unterhaltung mit Magie und Büchern mag, macht mit The Bureau of Magical Things nicht viel falsch.

🎵 Musik 🎵

Meine Neuentdeckung des Monats:

Mein Ohrwurm des Monats:

❄️ Bleibt gesund! ❄️