Arto Paasilinna: „Das Jahr des Hasen“ (1975)

Roman, 1975 veröffentlicht, 2006 bei BLT der Verlagsgruppe Lübbe in der 9. Auflage in Bergisch Gladbach erschienen, 237 Seiten. ISBN: 978-3-404-92030-3.

Vatanen mochte seine Frau nicht. Sie war in gewisser Weise boshaft, oder besser gesagt: egoistisch, die ganze Ehe hindurch.

S. 17

Kaarlo Vatanen, 1942 geboren und zum Zeitpunkt der Handlung um die 40, ist Redakteur, verheiratet, unglücklich und zynisch. Auf der Rückfahrt nach Helsinki von einem Pressetermin mit seinem Fotografen-Kollegen fährt dieser einen Hasen an. Als sich Kaarlo um das verletzte Tier kümmert, wächst die Ungeduld des Fotografen – woraufhin er ohne seinen Kollegen weiterfährt. Nach einer Nacht in einer Scheune und der Behandlung des Hasen durch einen Tierarzt entschließt sich der Redakteur, nicht nach Hause zurückzukehren und sein altes Leben samt Frau und Job hinter sich zu lassen. Stattdessen begeben sich Kaarlo, sein neuer Gefährte und der Leser im weiteren Verlauf des pikaresken Romans auf eine Reise durch Finnland, die voll ist von Gelegenheitsjobs, interessanter Menschen und noch spannenderer Geschichten.

Die Themen

Das Buch nimmt uns mit auf ein fantastisches Abenteuer durch Finnland. Der Protagonist wendet sich von seinem normalen Leben, seinem Alltag, der Gesellschaft ab, an der nicht wenig Kritik geübt wird. Dabei wirft das Buch die oft gestellte Frage nach dem Sinn des Lebens, nach dem Sinn von Arbeit, von Erfüllung auf, und blickt kritisch auf das „verweichlichte“ Leben von Büroangestellten. Auch das Zeitschriftenwesen wird von Kritik nicht verschont:

Jeder kleine Marketing-Mitarbeiter durfte einem Redakteur sagen, welche Storys der Verleger erwartete, und die wurden dann geschrieben. Die Zeitschrift hatte Erfolg, aber Wissen wurde nicht vermittelt, es wurde verwässert, verschleiert, in oberflächliche Unterhaltung verwandelt. Schöner Beruf!

S. 19

Das Jahr des Hasen zeigt, wie ein Leben abseits eingetretener Pfade und die dadurch neugewonnene Freiheit aussehen kann.

Der Schreibstil

Die 24 Kapitel des Buchs sind kurz gehalten und die Erzählung zeichnet sich durch einen fast nüchternen Schreibstil aus, der auf unnötige Szenen, Personal und Schnörkel verzichtet. Die Einfachheit der Sprache und der Witz der Erzählung sorgen für eine unterhaltsame zügige Lektüre und dafür, dass man das Buch kaum weglegen kann. Zum Ende hin, ab dem 19. Kapitel, nimmt die Geschichte noch einmal ordentlich Fahrt auf – und enttäuscht mit dem überraschenden Ende nicht. Und das nicht nur wegen der metafiktionalen Züge der Erzählung im Epilog oder der interessanten Zusammenfassung der gesamten Handlung des Buchs auf den Seiten 231 und 232. Formell erinnert Das Jahr des Hasen an den Typus des Schelmenromans, an dessen Anfang oft eine große Desillusion steht, auf die eine Reihe von Erzählepisoden, zumeist in Form von Abenteuer des Protagonisten, folgt.

Nach dem Lesen meines ersten Arto-Paasilinna-Romans verstehe ich seine Popularität. Ich kann mich nicht erinnern, wann mir ein Buch das letzte Mal so viel Freude bereitet und mich so zum Lachen gebracht hat!

Die Leseprobe

gibt es hier: 🔗 Leseprobe Das Jahr des Hasen

Der Autor

Arto Paasilinna (1942-2018) war ein finnischer Journalist und Schriftsteller. Seine 35 veröffentlichten Romane wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit Literaturpreisen ausgezeichnet, einige der Werke wurden verfilmt. Mit seinen Erzählungen über finnische Männer und darüber, wie sie das Leben meistern, gehört er nicht nur zu den beliebtesten zeitgenössischen finnischen Autoren, sondern hat auch seinen festen Platz im Kanon der finnischen Literatur. Seine Werke zeichnen sich durch viel Fantasie, einen trockenen Humor und eine einfache, direkte Sprache aus. In Deutschland werden seine Bücher von Bastei Lübbe verlegt. Das Jahr des Hasen aus dem Jahr 1975 ist sein erfolgreichstes Buch und wurde zwei Jahre nach der Veröffentlichung verfilmt.